An der Zukunft arbeiten Bei FSB, Claas und Holon stehen Entscheidungen an. Es geht darum, Innovationen vor Ort zu gestalten.

Sollte weiterentwickelt werden: Der Holon-Bus. Die Beschäftigung in Paderborn müsse dazu gesichert werden, sagt Felix Wagner.

Felix_Holon

3. Juli 2026 3. Juli 2026


An der Zukunft arbeiten

 

Bei FSB, Claas und Holon stehen Entscheidungen an. Es geht darum, Innovationen weiterhin vor Ort zu gestalten. 

 

Jede Tür braucht einen Rahmen, damit Menschen ungefährdet durchgehen können. "Mir geht es wie vielen: Ich will, das meine drei Kinder eine gute Zukunft in diesem Land haben", sagt Doni Stolfi, Betriebsratsvorsitzender bei FSB in Brakel. Es ist der letzte verblieben Hersteller von Griffen und Drückern für Türen und Fenster in Deutschland, der nahezu vollständig vor Ort herstellt, eine eigene Aluminium-Gießerei inklusive.

 

Einen Rahmen hat der 62-Jährige dabei besonders im Blick: Gesetze zur Tariftreue. Von Gewerkschaften seit Langem gefordert, haben Bund und das Land NRW im vergangenen Jahr solche Gesetze erlassen. "Das ist gut, aber nicht ausreichend, da die neuen Gesetze nicht für alle öffentlichen Aufträge gelten und die Kommunen außen vor gelassen werden", sagt er. Die Tariftreue müsse flächendeckend kommen, "denn mit Billigware aus fernen Ländern können wir nicht mithalten".

 

Die rund 400 Beschäftigten bei Franz Schneider Brakel (FSB) arbeiten seit über einem Vierteljahrhundert mit einer Tarifabweichung. Anfang Juli sollen die IG Metall-Mitglieder über die nächste  bis 2030 abstimmen. "Der Verhandlungsstand ist, dass eine Mindestzahl an Beschäftigten im Vertrag steht, die der Arbeitgeber nicht unterschreiten darf", sagt Felix Wagner, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Paderborn. Zugleich ist der Arbeitgeber gefordert, zu investieren. "Das macht er auch. Eine neue große Absauganlage läuft, die Digitalisierung wird vorangetrieben, neue Maschinen für kleine Serien kommen", berichtet Doni Stolfi.

 

Claas braucht mehr Fläche

Auch in Paderborn geht es um die Zukunft eines Werkes und der Arbeitsplätze: Claas wächst. Was richtig gut läuft, sind stufenlose Getriebe. Sie werden in Traktoren und Erntemaschinen eingebaut und zählen zum Modernsten, was zu bekommen ist. Die Technik dafür  und auch für die gefragten Raupenlaufwerke  wurde bei Claas Industrietechnik (CIT) in Paderborn entwickelt. Jetzt geht es um die Produktion, denn die Kapazitäten sind ausgeschöpft, neuer Platz ist nötig. Drei Standorte hat das Management genannt, neben Paderborn auch Le Mans, wo das Traktorenwerk von Claas steht.

 

CIT mit seinen 700 Beschäftigten liefert im Konzern zu – und so werden die Getriebe bislang von Paderborn nach Le Mans geschafft. "Wir haben hier eine großartige Entwicklungsabteilung, viel Erfahrung und hoch motivierte Mitarbeiter mit grünem Blut", nennt Ulrich Kleinemas, Betriebsratsvorsitzender bei CIT, die wesentlichen Punkte, die für Standortinvestitionen in der Paderstadt sprechen.

 

Vor zwei Jahren hat sich das Vorhaben für ein zweites Werk in Borchen zerschlagen, nun prüft die Geschäftsführung erneut Optionen. "Bislang fehlen uns detaillierte Informationen", schränkt Ulrich Kleinemas mit Stand Anfang Juni ein. Dass die Geschäftsführung Zugeständnisse der Beschäftigten verlangt, damit Paderborn den Zuschlag erhält, gilt indes als wahrscheinlich. "Die Kolleginnen und Kollegen fragen sich allerdings, warum sie verzichten sollen. Denn inzwischen gab es auch größere Investitionen an anderen Claas-Standorten, ohne dass dafür Tarifabweichungen abgeschlossen wurden", sagt der Betriebsratsvorsitzende.

 

Elektrisch und autonom fahren

Eine Stufe weiter in der Zukunft, nämlich elektrisch, ist die Benteler-Gruppe. Das Unternehmen hat bei der Tochter Holon einen Investor Platz nehmen lassen, ist als Mehrheitseigner aber weiter auf dem Fahrersitz. Fünfzehn Personen passen in den Holon urban, der irgendwann selbstfahrend sein soll, und mit Fahrer schon in Hamburg und demnächst auch in Paderborn anzutreffen ist.

 

Die Busse haben das Potenzial, den Nahverkehr zu verändern, werden aber bislang zurückhaltend geordert. Die Serienfertigung ist noch Zukunft. Holon liegt finanziell auf der schiefen Bahn. "Autonomes, vernetztes Fahren mit Bussen: Solch eine Entwicklung muss auch im staatlichen Interesse liegen und gefördert werden, es wäre fahrlässig, wenn das in anderen Ländern stattfindet", sagt Jens Engelbrecht von der IG Metall Paderborn.

 

Ein Teil der 300 Beschäftigten, die den Holon urban entwickeln, soll nach dem Willen der Geschäftsführung gehen, Strukturen schlanker werden. Betriebsrat und IG Metall Paderborn verhandeln. "Ein Freiwilligenprogramm steht im Raum, auch ein Interessensausgleich und Sozialplan", sagt Jens Engelbrecht. Das Ziel ist es, möglichst bald zu einem Ergebnis zu kommen, das betriebsbedingte Kündigungen vermeidet. "Wir gehen davon aus, dass der Bedarf an Personal mittelfristig wieder ansteigt, weil der Bus ein Riesending werden kann", ergänzt Felix Wagner.

 

Für ihn sind FSB, CIT und Holon drei Beispiele für die innovative Kraft der Industrie im Hochstift. "Da wird an einer Zukunft gearbeitet, die weiter Weltspitze sein kann. Aber für den Erfolg braucht es die richtigen Rahmenbedingungen: Aktive Industriepolitik, mutige Unternehmen und gute Zukunftsperspektiven, die durch starke Tarifverträge abgesichert werden".