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Best Practice: So stellt Claas seine Auszubildenden ein

Im August fängt ein neuer Ausbildungsjahrgang in den Betrieben und Berufsschulen an. Doch wonach wählt das Unternehmen seine künftigen Auszubildenden aus? Ein Ausbildungsleiter berichtet, welche Kriterien sich bei ihm bewährt haben.

Weniger Bewerbungen, hoher Druck aus der Personalebene und immer häufiger werden Ausbildungsstellen abgebaut – viele Beschäftigte sind mit diesen Herausforderungen konfrontiert, wenn es um die Einstellung der neuen Ausbildungsjahrgänge geht. In den vergangenen Jahren ist die Lücke zwischen unbesetzten Ausbildungsstellen und Bewerberinnen und Bewerbern, die am Ende leer ausgehen, gewachsen.

Nicht nur die Schulnoten zählen

Im vergangenen Jahr sind 63.000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben, die Tendenz ist steigend. Gleichzeitig haben 26.400 Bewerberinnen und Bewerber keinen Ausbildungsplatz gefunden. Welche Ursachen hinter diesem Spannungsfeld stecken, ist aktuell schwer zu beantworten. Fest steht aber, dass viele Arbeitgeber überwiegend Auszubildende mit höheren Schulabschlüssen einstellen wollen. Diese planen jedoch häufig ein anschließendes Studium und verlassen somit nach einer gewissen Zeit die Produktion.

Das ist nicht immer der Fall. Es zeigt aber, wie wichtig es ist, noch vor der Einstellung auch auf die Fähigkeiten der Bewerberinnen und Bewerber zu schauen, statt ausschließlich auf die Noten. Jemand, der das sehr erfolgreich in seinem Ausbildungszentrum praktiziert, ist Michael Wilsmann. Bei der Claas Industrietechnik in Paderborn legt man ganz besonderen Wert auf den Auswahl-Prozess, nur eben anders als in manch anderen Betrieben.

Geförderte Einstiegsqualifizierung

Nicht die Bewerbungsmappen mit den besten Schulnoten und Schulabschlüssen landen hier ganz oben auf dem Stapel für die Auswahl, sondern die, die sich bereits im Vorfeld gezeigt und bewährt haben. „Bei uns beginnt der Bewerbungsprozess noch während der Orientierungsphase in der Schule mit eintägigen bis mehrwöchigen Praktika“, sagt der 54-Jährige. Die Erfahrung hat gezeigt: Das Verfahren lohnt sich. Über 85 Prozent der Auszubildenden, die in den letzten 10 Jahren ihren Abschluss bei Claas gemacht haben, sind noch im Unternehmen.

Dafür investiert der Ausbildungsbetrieb auch etwas – Zeit zum Beispiel. Vergangenes Jahr ist ein Schüler zu ihnen ins Praktikum gekommen, der Probleme in der Schule hatte. „Erst hat ihm die Pandemie schulisch sehr zu schaffen gemacht, dann kamen familiäre Probleme hinzu“, sagt Michael Wilsmann. Im Praktikum jedoch kam er sowohl in der Ausbildungswerkstatt als auch im Produktionsbereich bestens klar. „Der hat hier einen tollen Job gemacht.“ Um das schulische Defizit auszugleichen, hat man ihm nun eine Einstiegsqualifizierung angeboten.

Auch Betriebsrat und Personalabteilung

Diese Maßnahme wird durch die Agentur für Arbeit gefördert und bietet in vielen Fällen eine gute Übernahmequote in die betriebliche Ausbildung. Michael Wilsmann ist überzeugt, dass sich so eine Maßnahme lohnt, wenn es menschlich und handwerklich passt. Wichtig für diesen Prozess sei, dass die Ausbildungsverantwortlichen solche Entscheidungen treffen dürften. „Ich hätte ein Riesenproblem damit, wenn uns vorher nicht bekannte Auszubildende vor die Nase gesetzt würden. „Wir begleiten diesen Prozess selbst bis zur Zusage zum Ausbildungsvertrag.“

In dem Unternehmen funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Ausbildern, Personalabteilung und Betriebsrat einwandfrei. „Wir Ausbilder haben den Handlungsspielraum, um die Auswahl der Auszubildenden so zu gestalten, wie es am Ende auch für das Unternehmen gut ist“, sagt Michael Wilsmann

Auch die Anzahl der Ausbildungsplätze wurde in den vergangenen Jahren nicht, wie in so vielen Betrieben, reduziert, sondern kontinuierlich aufgestockt.

(Dieser Artikel wurde aus dem "Aktiven-Portal der IG Mretall übernommen. Bitte haben Sie Verständnis wenn dieser Link nur mit besonderer Berechtigung zugänglich ist: https://www.igmetall.de/aktive/politik-und-gesellschaft/bildungspolitik/ausbildung-und-duales-studium/best-practice-so-stellt-claas-seine-auszubildenden-ein)